Jahr: 2017

250. Geburtstag von W. von Humboldt

(* 22. Juni 1767 in Potsdam – † 8. April 1835 in Tegel) Ich kann kaum der Begierde wiederstehen, so viel als nur immer und irgend möglich ist, sehen, wissen, prüfen zu wollen. Der Mensch scheint doch einmal dazu da zu sein, alles was ihn umgiebt, in sein Eigenthum, in das Eigen- thum seines Verstandes zu verwandeln, und das Leben ist kurz. Ich möchte, wenn ich gehen muß, so wenig als möglich hinterlassen, das ich nicht mit mir in Berührung gesetzt hätte. Zum Gedenken an eine der großen Persönlichkeiten der deutschen Geschichte anlässlich seines  250. Geburtstages am 22. Juni 2017 Vorwort Schon zu DDR-Zeiten  wurden Alexander und Wilhelm von Humboldt als bedeutende Gelehrte der deutschen Geschichte gewürdigt. Im Februar 1949 wurde die Berliner Universität in „Humboldt-Universität“ umbenannt. Der Widerspruch bestand darin, dass es sich bei Wilhelm von Humboldt um einen Freiherrn, also Junker handelte. Das stand im Widerspruch zur bisherigen Geschichtsdarstellung, in welcher diese als brutale Unterdrücker der Bauernschaft dargestellt wurden. Seit Anfang der 70er Jahre waren die DDR-Oberen besonders bemüht, internationale Anerkennung ihres  Staates als offizielles Mitglied der UNO zu erzielen. Dies gelang am 16. September 1973. Man vermied …

Märztage 1921

Auf Spuren der Ereignisse um Burgörner Die Erkennbar zunehmenden Aktivitäten linksgerichteter Aktionsausschüsse zu Streiks und Aufständen im Mitteldeutschen Industriezentrum, am Anfang des März 1921, forderte die Regierung zu Gegenmaßnahmen heraus. Die ehemals am Hettstedter Bergschlösschen angebrachte Gedenktafel enthält Angaben, dass bereits am 6. März 1921 Streik-Aktionen im Mansfelder Land geplant wurden und nicht erst nach Einmarsch der Sicherheitspolizei am 19. März. Der Oberpräsident der Provinz Sachsen (Hörsing-SPD) richtete daher am 16.3.1921 an die Bevölkerung des Industriereviers im Regierungsbezirk Merseburg einen Aufruf, in dem er den Einmarsch bewaffneter Kräfte ankündigte. Aufruf Frauen! Arbeiter! Bürger! Seit mehr denn zwei Jahren ist das Industrierevier mehr oder weniger ein dauernder Herd von Unruhen. Wilde Streiks, Raub und Plünderungen der ersten Zeit wurden von Banden-, Einzeldiebstählen, Terror, Sachbeschädigungen, Erpressungen und Körperverletzungen der letzten Zeit abgelöst. Im Gegenzug zu den übrigen Teilen der Provinz, in denen die Felddiebstähle fast ganz verschwunden sind, ist der Landwirtschaft des Industriereviers ein ungeheurer Schaden durch Banden- und Einzeldiebstähle zugefügt. Ist es ein Wunder, wenn die Landwirte wenig Lust haben, ihre Felder intensiv zu bewirtschaften? Dieselben …

Hölz-Putsch im Mansfelder Land

Durchwachte Nacht. Erinnerung an den Hölz-Putsch im Mansfelder Land. Von Wilhelm Braune (Rektor der Schule in Burgörner) Gründonnerstag 1921. Prächtigste Frühlingssonne lacht über dem Mansfelder Lande. Durch die weit geöffneten Fenster riecht man förmlich den neuen Lenz. Es ist die Zeit, in der man sich wieder wie von neuem geboren fühlt. Da hält es uns nicht in der engen Stube. Es drängt uns hinaus. Man geht in den Stall, greift zu den Werkzeugen mit denen man den Garten bestellt und macht sich im Hausgarten zu schaffen. Überall sieht man die Bergleute, soweit sie nicht Schicht haben oder die Angehörigen in ihren oft mit viel Liebe und großem Fleiß gepflegten Gärten beschäftigt. Auch nach ihren Feldern gehen sie hinaus. Aber es liegt was in der Luft. Seit einigen Tagen hört man von einem Putsch. Der Name Hölz geht von Mund zu Ohr, man raunt sich leise zu, dass irgendwo sich Scharen von Aufrührern zusammengefunden hätten. Inzwischen ist in die kleine Bergstadt des Mansfelder Landes eine Abteilung Sicherheitspolizei eingerückt. Man hat ihr eine Schule zur Unterkunft frei gemacht. …