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Tormwächter Kern

Wie dorr Tormwächter Kern seiner Fraue s veele Zeitunksläsn abjewehn tat nach Fritz Schnee aus dem Wipperländischen Heimatfreund bearbeitet von Frank Weisflog Ä Orejenahl muß dr Tärmer Kern inn Heschtedt gewäsn sinn. Gekennt ha’ ich ’n zworzg niche, awwer gehiert ha’ ich vun’n ofte. An schennsten hat mich immer sei Rezäpt jefalln, wudermett e seiner Fraue ’s veele Läsn abjewehn tat. Daß Kern de Woche dreimoal nach Halle ze Fuße ninn junk un farr drei Heschtedter Härrns – ’s war der Apteeker Bonte, Kammerrath Kersten und dr Färber Müller – dän Hall’schen Korrier hulte, ha ich schun ämol in Wochnblade derzellt unn mr mahk sahn was morr will: an ein’n Tahche nach Halle, ze Fuße, rinn unn raus, unn das de Woche dreimoal unn dodorbei a noch in dr Nacht heime uff sein’n Posten ze sinn, zunn wenigsten ums Wechsel – das will doch jewiß was bedeit’n. Unn dodorbei muß mr nich varjässn, forrrlor Kern keimol niche sein jute Laune. Mett einen Worte: ’s stahk ä juter Kern in dän Kärrel. Awer: Eins jefiehl’n doch …

Ein Hettstedter-Erbauer der Zugspitzbahn

Der Erbauer der Zugspitzbahn, die vor kurzem dem Betrieb übergeben wurde (25. Juli 1926 d.VF) ist ein Hettstedter. Ingenieur Friedrich Kern, in der Hadebornstraße 82 wohnhaft, war von der bauausführenden und bekannten Firma Ad. Bleichert & Co. Leipzig mit der alleinigen Leitung des Baues beauftragt. Er wurde der ihm übertragenen verantwortungsvollen Aufgabe voll und ganz gerecht. Der Zugspitzbahnbau ist ein Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst. Aus „Hettstedter Tageblatt“ 1926 Abbildungen aus freien Archiven bearb. E.Graf/Chronist, Oktober 2018  

Kleine Ortskunde

Vorrede Über Hettstedt ist bis 1650 von alten Chronisten zum Teil, seitdem aber kaum etwas Befriedigendes uns überkommen. Im vorliegenden Schriftchen nun bietet ein alter Freund der Stadt in kurzer, gedrängter Darstellung einen Auszug von dem, was er von ihr im Laufe der Jahre aus Urkunden, Chroniken, Zeitschriften etc. in geschichtlicher Hinsicht gesammelt hat. So mancher wird meinen, dass Hettstedt ihm wohl zur Genüge bekannt sei. Ein oberflächliches und gedächtnismäßiges Kennen von Örtlichkeiten, Gebäuden, einzelnen Begebenheiten pp. macht jedoch noch keinen Kenner und Sachkundigen. Das beifolgende Büchlein wird vielleicht diesen und jenen überzeugen, wie wenig genügend noch seine Ortskenntnis und wie sehr ihm insbesondere rücksichtlich der Vergangenheit, aus welcher ja die Gegenwart herausgewachsen ist, ein nur etwas ausreichendes und zuverlässiges Wissen der Geschichte seiner Heimat, ihrer Entstehung und Entwicklung, ihrer Geschehnisse, ihrer mannigfaltigen Verhältnisse, Einrichtungen und Zustände abgeht. Das unbedeutende Werkchen kann ihm vielleicht dazu helfen, dass die bisher rein äußerliche Auffassung der Dinge um ihn zu ihrem wirklichen Verständnis sich vertieft, dass das Interesse an allem, was Hettstedt und seine Umgebung bietet, angeregt und …

Die Braunschweiger Schwarzen vor Hettstedt

Es war die Absicht Herzog Wilhelms von Braunschweig, seinen vom Nachtmarsche von Leipzig her ermüdeten Truppen in Halle einige Rast zu können. Aber sein Plan wurde umgeworfen. Als er auf dem Marktplatze in Halle vom Pferde stieg, meldete sich eine Schar versprengter Schillscher Reiter bei ihm und bat um Aufnahme in des Herzogs Korps. Gleichzeitig erzählte der Führer von dem Überfall der Hettstedter Bürgerkompanie bei Ritterode, der die Schillschen zur Flucht zwang. Diese Tat empörte den Herzog so sehr, dass er beschloss, die Rast abzukürzen und einen Umweg einzuschlagen, um die Stadt Hettstedt zu bestrafen Bereits um ein Uhr befanden sich die wackeren „Schwarzen“, ihre Reiterei voran, wieder auf dem Marsche. Der ging über Wettin der noch sichtbaren Fährte der Schillschen Reiter folgend. Noch vor Sonnenuntergang hatte man das Ziel erreicht und die Stadt Hettstedt mit ihren von ein paar Türmen überragten Häusern vor sich. Auf der geräumigen Trotzwiese vor der Stadt wurde haltgemacht und ein Zeltlager bezogen. Schon vorher hatte der Herzog eine Abteilung Reiter abgeordnet, die unversehens in die Stadt dringen und die …

Schill´sche im Mansfeldschen

Aus Lesebüchern und Kalendern Aus Heimat – Lesehefte: „Im Ostvorlande des Harzes“ W. Mühlner u. G. Winkler 1925 Schill´sche im Mansfeldschen Eine glühend heißer Julitag des Jahres 1809. Schon neigt sich die Sonne den dunklen Waldwellen der Harzberge zu. Da horch! In einem Wäldchen unweit Ritterode im Kanton Hettstedt des neuen Königreiches Westfalen dumpfes Scharren und Stampfen von Rossehufen auf weichen Moosboden. Leise klirren Waffen. Dunkle Gestalten huschen zwischen den Stämmen hin und her. Ihre Gesichter sind sonnengebräunt, die Wangen aber hohl, der jugendliche Leib elend, erschöpft. Kaum ist das Rot der Uniformen zu erkennen, alles verschmutzt, verlumpt. Die Pferde gleich den Menschen abgemagert, ermattet durch wochenlange übergroße Anstrengung. Schill’sche Reiter sind’s, zwei Tage stehen unauslöschlich in ihrem Gedächtnis: “ Der 28. April, der Tag stolzester, frohester Hoffnung beim Ausritte aus Berlin, als sie gegen die fremden Unterdrücker ins Feld zogen, und der 31. Mai, der Tag niedergeschlagener Zuversicht und größter Enttäuschung, an dem in Stralsunds Straßen mit dem Blute des stattlichen, lebensfrischen Anführers das But vieler treuer Kameraden floß. Sie entkamen der Übermacht. Auf …

Hettstedter Annalen über die Franzosenzeit

Die Nachrichten der Hettstedter Annalen über die Franzosenzeit (1806-1814) Von Wilhelm Brockpähler Die Niederlage. In der Zeit des unglücklichen Krieges gegen Napoleon gehörte Hettstedt mit dem nördlichen und westlichen Teile der Grafschaft Mansfeld und dem Eisleber Gebiet zum Kurfürstentum Sachsen; aber schon bei Burgörner begann das preußische Mansfeld, zu dem auch u.a. die Orte Mansfeld, Gerbstedt, Friedeburg zählten. Die Söhne des Mansfelder Landes kämpften in der preußischen und sächsischen Armee gegen Napoleon. Mitte September des Jahres 1806 begannen die Durchzüge der Preußen in der Richtung nach Thüringen. Nur kurz erwähnen die Annalen, dass Hettstedt dabei durch Einquartierung, Verpflegungsabgaben und anderen Kriegsbeschwerden viel zu leiden hatte. Anfang Oktober hörten die Durchmärsche auf, und nun wartete man sehnlichst auf Nachrichten vom Kriegsschauplatz. Am 14. Oktober ritten abends ein paar preußische Reiter schweiß- und staubbedeckt von Molmeck her in Hettstedt ein. Ein paar Worte riefen sie müde vom Pferd herunter den neugierig fragenden Bewohnern zu und bald wusste es die ganze Stadt: Die Vorhut der Preußen war bei Saalfeld geschlagen worden, der heldenmütige Prinz Louis Ferdinand war gefallen. …

Weesenmarcht muss sinn

Aus „Heimatgruss aus dem Mansfelder Land“ von Franz Kern —‘s gibbet zundt dreierläi Mansfällr. Do sinn zer ierschte ämool de richt’gen. Nooch­tern hat mer weche, die sinn äigentlich käine Mansfällr, weil se vun wu andersch här sinn; abber se sinn in unsen ohln Schtammbaum su schiene rinngewachsen, als ab se derzu gehierten. ’s is gerode su, als ab mer uff äin‘n Zacken vun ä Appelbaume änne annere Sorte gebot‘t hatte, und der fremde Zacken wechst su rächt lust‘g met weiter un he läwet met vun allen, was de de Worzeln aus d’r Häimatärde ‘raushul‘n. Un denn de dritte Sorte — die sinn käine Mansfällr un wull‘n au käine sinn. Wurumm se mant äigentlich hie bleiw‘n. Un disse Ohrt, die varschtieht uns nich; die hohl‘n sich au immer drebber uff, dass alles uff’n Weese­marcht laift. Un Weesenmarcht muss sinn! Das dachte au immer d‘r ohle Feistel von Hechschtett; der varseimete su leichte käin‘n Weesenmarcht. Seine Fraue abber au nich. Un do war das äine Johr denn nu grusse Nut. Vun d‘n Kingern war käins mie häime, …

Der Hollerberg in Burgörner

„Einen Berg den ich immer kahl gekannt habe“. So schreibt Karoline von Humboldt in einem Brief, vom 28. September 1820, an den mit der Familie befreundeten Alexander von Rennenkampff 1). …. nachdem ich fünf ruhige Wochen in Burgörner, umgeben von vielen älteren Verwandten und Nachbarn, in süßen Erinnerungen meiner Kinder- und Jugendjahre dort verlebt habe. Das Wohnhaus, dass nach unserer ländlichen Sitte schön und geräumig ist und das mein Elternvater erbaut hat, als er vor 100 Jahren aus Italien kam, ist während unserer letzten Abwesenheit im Jahre 1818 repariert und die obere Etage ausgebaut, gedielt und in wohnlichen Zustand gesetzt worden. Meine Anpflanzungen fand ich gewachsen und einen Berg, der wenige Schritte vom Gut liegt und den ich immer kahl gekannt habe, grün und im Zuge anzuwachsen. Dieser Berg, auch im Herbst sehr schön anzuschauen. Im Briefwechsel, während der Brautzeit in Briefen oft genannt, hatte auch der Berg bei Wilhelm von Humboldt einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der sich in zahlreichen Versen wieder findet. So schreibt Humboldt an Karoline, Burörner 3. August 1817, 2) „Ich war …

Luftangriffe vor 73 Jahren

Treu unserem Leitsatz „ Der Geschichte auf der Spur“ Wir möchten in Anbetracht der gegenwärtigen Tatsache, dass wieder viele Menschen durch Krieg und Bombenhagel ihr Leben verlieren, schlicht und einfach an das Leid erinnern, welches unsere Heimatstadt vor 73 Jahren durchstehen musste. Nicht im Stile abhängiger absatzorientierter Zeitungen, sondern aus eigenen Aufzeichnungen und denen eines selbst Betroffenen  „Herrn Dr.-Ing. Dr. h. c. Karl Kaiser, Leiter der Forschungs-Abteilung MKM“. Er schreibt wie folgt in seinem unveröffentlichten Buch: Erinnerungen eines Walzwerkers „  … Mitte des Krieges setzten die großangelegten angloamerikanischen Luftangriffe auf Industrieanlagen und Großstädte ein. Zum Schutz der Bevölkerung waren in Privathäusern, in öffentlichen Gebäuden, als auch in besonderen Bauten, Luftschutzräume (LSR) geschaffen worden. In Hettstedt befand sich ein sicherer Luftschutzraum östlich des Augustaplatzes (heute Luisenplatz). Ein in den Steilhang eingearbeiteter großer Lagerraum. Auf dem Messingwerk wurde hierfür der in etwa 50 m tiefe verlaufende Jakobstollen benutzt. Er war durch einen Stollen hinter der Leichtmetallgießerei zugänglich gemacht und gut 2 m hoch und breit. Er konnte die Anzahl einer Schicht der Belegschaft aufnehmen. Anfänglich wurden die Luftangriffe …

Kleiner Schtattfiehrer dorch Hettschtedt

Werte Leser! Manchmal kommen einem doch die besten Ideen, wie unsere Mansfelder Mundart noch Anwendung finden kann. Eine davon sei dieser kleine Stadtführer durch Hettstedt. Ich habe mir dabei erlaubt, die Führung hauptsächlich auf die Sehenswürdigkeiten im Stadtkern, sowie in angrenzenden Stadtteilen zu beschränken. Dabei verliere ich einige Worte über Geschichte, Geschwätz und Neues eben was sich dem Betrachter bietet. Ich hoffe, mein Werk wird jeden in Mundart geläufig und führt auch die Ausgewanderten zurück auf alte und neue Spuren. Viel Spaß und gutes Gelingen bei der Anwendung! Hettstedt , im November 2012 Wollefjank  Heimatgedanken Die Wipper fließt vom Harze her vorbei an alten Mauern.  Die Weiden neigen sich vor ihr, fast meinte man, sie trauern. Die Brücken kreuzen ihren Lauf, es trutzen Türme und Tore. Barocke Dächer mit goldenem Knauf, die Kirche mit hoher Empore. Hier stand eine Burg zum Trutz, vor Räuber und Kriegsgewalten. Das Wipperwasser gab ihr Schutz, der Bergfried ist noch erhalten.          Sie speiste oft in ihrem Lauf die Gräben der Hütten und  Mühlen. Forellen schwimmen schnell flussauf, die Wassermassen spülen. …

Eine Birke zum 1. Mai

Eine Birke oder auch Birkenzweige aufzustellen geht auf einen uralten Brauch zurück. Das ursprüngliche Frühjahrsfest unserer Vorfahren begann in der Nacht zum 1. Mai, wenn die Vermählung der Erdmutter mit dem Himmel zur Förderung der Fruchtbarkeit feierlich begangen wurde. In der Walpurgisnacht zum 1. Mai ist es vieler Orts noch üblich Maibäume oder Birkenzweige aus dem Wald ins Dorf zu holen. Aber nicht nur stattliche Bäume, sondern auch kleine Stämmchen und Zweige werden im „Wonnemonat“ aufgestellt. Sicher erinnert sich mancher an seine Jugendzeit als es noch üblich war Birkenzweige vor die Tür zu stellen. Insbesondere zu Pfingsten gehörte eine „Maie“ einfach zum Fest dazu.

250. Geburtstag von W. von Humboldt

(* 22. Juni 1767 in Potsdam – † 8. April 1835 in Tegel) Ich kann kaum der Begierde wiederstehen, so viel als nur immer und irgend möglich ist, sehen, wissen, prüfen zu wollen. Der Mensch scheint doch einmal dazu da zu sein, alles was ihn umgiebt, in sein Eigenthum, in das Eigen- thum seines Verstandes zu verwandeln, und das Leben ist kurz. Ich möchte, wenn ich gehen muß, so wenig als möglich hinterlassen, das ich nicht mit mir in Berührung gesetzt hätte. Zum Gedenken an eine der großen Persönlichkeiten der deutschen Geschichte anlässlich seines  250. Geburtstages am 22. Juni 2017 Vorwort Schon zu DDR-Zeiten  wurden Alexander und Wilhelm von Humboldt als bedeutende Gelehrte der deutschen Geschichte gewürdigt. Im Februar 1949 wurde die Berliner Universität in „Humboldt-Universität“ umbenannt. Der Widerspruch bestand darin, dass es sich bei Wilhelm von Humboldt um einen Freiherrn, also Junker handelte. Das stand im Widerspruch zur bisherigen Geschichtsdarstellung, in welcher diese als brutale Unterdrücker der Bauernschaft dargestellt wurden. Seit Anfang der 70er Jahre waren die DDR-Oberen besonders bemüht, internationale Anerkennung ihres  Staates als offizielles Mitglied der UNO zu erzielen. Dies gelang am 16. September 1973. Man vermied …