Burgörner-Geschichte

Der Hollerberg in Burgörner

„Einen Berg den ich immer kahl gekannt habe“.

So schreibt Karoline von Humboldt in einem Brief, vom 28. September 1820, an den mit der Familie befreundeten Alexander von Rennenkampff 1).

…. nachdem ich fünf ruhige Wochen in Burgörner, umgeben von vielen älteren Verwandten und Nachbarn, in süßen Erinnerungen meiner Kinder- und Jugendjahre dort verlebt habe. Das Wohnhaus, dass nach unserer ländlichen Sitte schön und geräumig ist und das mein Elternvater erbaut hat, als er vor 100 Jahren aus Italien kam, ist während unserer letzten Abwesenheit im Jahre 1818 repariert und die obere Etage ausgebaut, gedielt und in wohnlichen Zustand gesetzt worden. Meine Anpflanzungen fand ich gewachsen und einen Berg, der wenige Schritte vom Gut liegt und den ich immer kahl gekannt habe, grün und im Zuge anzuwachsen.

Dieser Berg, auch im Herbst sehr schön anzuschauen.


Im Briefwechsel, während der Brautzeit in Briefen oft genannt, hatte auch der Berg bei Wilhelm von Humboldt einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der sich in zahlreichen Versen wieder findet.

So schreibt Humboldt an Karoline, Burörner 3. August 1817, 2)
„Ich war heute sehr lange auf dem Kirchberg…… Wann ich den lieben Berg wiedersehen werde? Ich schreibe Dir hier einige Strophen, die ich machte….

Ade! Ade! Ihr lieben Fluren,
o bleibet mir getreu!
Erhaltet meiner Liebe Spuren,
in mir ja ist sie ewig neu.

Darum von allen auf dem Erdenrunde,
vom Morgen- bis zum Abendglanz,
bleibt teuer bis zur letzten Stunde
mir dieser Hügel stiller Kranz..

Dieser Berg oder Hügel wie er von den Humboldts genannt wird, ist auch bekannt unter der Bezeichnung „Hollerberg“ 3)


Dieser Hollerberg, bepflanzt unter anderem mit Robinien und eben auch Flieder, mit einer Serpentine welche zu der sagenumwobenen Ruine auf dem Kirchberg führt, war allgemein bekannt unter diesen Namen. Auch als „Hollunderberg“, leider falsch, auf einstigen Hettstedter-Stadtplänen eingetragen.

Die älteren Einwohner erinnern sich, dass dieser Berghang in der Vergangenheit einst von den Mitgliedern des Männergesangsvereins Burgörner gepflegt und in Ordnung gehalten wurde. Nicht zuletzt, das der Männergesangsverein inzwischen gänzlich ausgestorben ist, haben die Bepflanzungen dann unter des rücksichtslosen Schadstoffausstoßes der umliegenden Hüttenbetriebe arg zu leiden gehabt und waren in einem verwilderten Zustand. Um so erfreulicher ist es, das nun nach vielen Jahren wieder umfangreiche Arbeiten durchgeführt wurden.

Der Berg wurde umfassend kultiviert, die einstigen Wege wieder hergerichtet und befestigt, der Bewuchs verschnitten und von Wucherungen befreit. Nun können wieder Besucher, Wanderer von einem auch wieder hergerichten Aussichtspunkt unterhalb der Ruine, die Aussicht geniesen. Oder auf den neu aufgestellten Ruhebänken Humboldts Worte: „vom Morgen- bis zum Abendglanz bleibt teuer bis zur letzten Stunde mir dieser Hügel stiller Kranz“ nach vollziehen. Man kann nur hoffen, dass diese Arbeit recht lange erhalten bleibt.

Im Rahmen dieser Arbeiten 4) wurde auch das Denkmal auf dem Platz vor der Kirche St. Nikolai in Hettstedt-Burgörner-Altdorf renoviert. Dieses Kriegsopfer Gedenkmal ist das Älteste in Hettstedt erhalten gebliebene Gedenkmal welches an einstige Einwohner aus Burgörner erinnert die in den Kriegen 1865/66 ihr Leben verloren. Lange Zeit vor dem Bau des Kirchturmes an St. Nikolai, dessen Bau in den Jahre 1906/07 erfolgte, wurde dieses Denkmal errichtet wie ein altes Foto beweisst.


Die Errichtung des Gedenkmales an einstige Kameraden und Einwohnern, welche in den Kriegen 1865/66 ihr Leben verloren, kann für das Jahr 1869, dem gleichen Jahr  in welchen am 12. April 1869 der Kriegerverein gegründet wurde, angenommen werden. 5)

Das 2018 wieder hergerichtete Kriegsopfer – Gedenkmal von 1865/66.

1.)
Karl Jakob Alexander Edler von Rennenkampff (* 29. Januar 1783 auf Schloss Helmet, Estland; † 9. April 1854 in Oldenburg (Oldb)) war Schriftsteller, kaiserlich russischer Rittmeister, Major der Kavallerie, Hofrat, später großherzoglicher holstein-oldenburgischer Oberkammerherr im Range eines Vizeoberhofmeisters, 1836 Ritter des griechischen Erlöser Ordens, Gründer des Landesmuseums für Natur und Mensch in Oldenburg und seit 1802 Freimaurer (1842–1849 Meister vom Stuhl in der Loge Zum goldenen Hirsch).

2)
-vorstehend 1 und 3 von 9 Versen-
Humboldt verließ Berlin Ende Juni 1817, sein Reise ging über Burgörner nach Schlesien, Frankfurt um dann im September in England einen Diplomatischen Dienst aufzunehmen. Frau von Humboldt ist ihm dorthin nicht gefolgt, weil anfangs die schwankende Gesundheit der Tochter Cabriele, später ihr eigener leidenter Zustand das englische Klima nicht ertragen hätte.

3) „Hollerberg“ siehe dazu „Hettstedt-Burgoerner – Überlieferungen aus Burgörner – Hollerberg

4)

Ein Projekt der GSG Mansfeld Südharz aus dem Bundesprogramm SOTA = „soziale Teilhabe“ wo Langzeitarbeitslosen die Möglichkeit gegeben wird, sich innerhalb von 3 Jahren nach Gegebenheit wieder zu integrieren. Wie auch andere Beschäftigungsmaßnahmen in Trägerschaft der GSG, die im öffentlichen Interesse durchgeführt werden z.B. das Umfeld am Maschinen-Denkmal oder eben der Kirchberg in Burgörner wird auch diese Maßnahme von der Stadt Hettstedt begleitet. Unterstützung in der Betreuung der Maßnahmen und der Teilnehmer erfährt die GSG von der TEP Helbra. Das Ziel dieser Maßnahmen ist es, das die Teilnehmer wieder Selbstvertrauen gewinnen und ihre eigenen Ideen in die Projekte mit einbringen, was bisher sehr erfolgreich war.

Ein Problem wird sich auftun, wenn im November 2018 das Programm für die Teilnehmer endet. Wer hält dann alles, was in den letzten 3 Jahren gebaut und gepflegt wurde, weiter in Ordnung?

Dabei gäbe es noch viele Gründe die Arbeiten fortzusetzen. Wenn man z.B. an den Zustand des Humboldthaines denkt, an die verwilderten Wege, an die Humboldt-Eiche, an die einst vorhandenen und jetzt zusammengefallenen Sandsteinbänke… Es ist eigentlich ein Naturparadies bis hin zum ehemaligen Festplatz, was man in den Gesamtkomplex Museum, Hollerberg, Humboldt, als Natur und Wanderweg bis zum Kriegsgraben mit einbinden könnte, als ein Teil unserer Natur- und Heimatgeschichte

5)
Für die Errichtung des Denkmales kann das Jahr 1869 angenommen werden, da den späteren zahlreichen Kriegsopfern von 1870/71 in keiner Weise gedacht wird.

Für „Hettstedt- Burgoerner“ bearbeitet, E. Graf/Chronist, Juni 2018