Das Leben in Burgörner, Die Humboldt-Schützen

Die "Humboldt-Schützen"

Zur Erinnerung an die „Humboldt-Schützen“ in Burgörner-Altdorf

Der „Schützenverein „Burgörner-Altdorf“ wurde am 21. August 1926 gegen 20:00 Uhr im Gasthaus „Zum Landhaus“ (Inh. Gastwirt Wagner) gegründet.

Das erste Schützenfest fand Pfingsten 1927 statt. Der Schützenkönig war Paul Teichmann. Im Jahre 1930 wurde der Verein auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Gustav Bergholz, nach einer Anfrage bei den Nachfolgern der Familie Humboldt in Berlin Tegel, umbenannt in:

“Humboldtschützen – Burgörner“

Im gleichen Jahr erfolgte eine Erweiterung des Schießgrabens und für das Festzelt wurde ein fester Küchenanbau errichtet. Das Gelände gehörte der „Mansfeld AG“ und wurde für 10,00 Mark jährlich gepachtet. Kaufversuche sind gescheitert. Das Bild von der Eröffnungsfeier der Schießanlage im Humboldthain wurde aus dem Schutt beim Abriss des Gasthauses “Zum Landhaus“ vom Chronisten sichergestellt. (Kopie)

Der Text auf vorstehendem Dokument lautet:

„Das Werk lobt den Meister“ kann man mit Recht von der Schützenstätte zu Burgörner-Altdorf sagen, denn was der junge Verein mit seinen rund 50 Mitgliedern in der kurzen Zeit seit vorigen Herbst geschaffen hat, ist geradezu erstaunlich. Wo noch vor einem Jahr die Reste eines alten Gipsbruches lagen, zerklüftet und scheinbar zu nichts zu gebrauchen, da befindet sich heute eine ansehnliche Schießbahn von 125 Meter Länge und mit zwei Ständen, ausgehend von einem schmucken Schießhäuschen mit Turm und erhöhten Umgang. Längs der Schießbahn erstreckt sich, wohlbeschattet durch die alten Bäume des Humboldthains, der Platz für den Festbetrieb dessen Mittelpunkt des Schützenwirtes Wagner neue Fest- und Tanzzelt ist. Und das alles haben die Altdorfer Schützen in unermüdlicher Arbeit und mit viel Umsicht aus eigener Kraft geschaffen. In der Tat nachahmenswert und vorbildlich. Die Pfingsttage brachten dann nach der monatelangen Unrast die Einweihung und das erste Schützenfest. Die Einweihung am Pfingstsonntag verlief vom Wetter ungestört. Der Schützenverein – Gastvereine waren nicht geladen – marschierte vor dem Schießhaus auf.


Schützenhauptmann Keller sprach kurze Begrüßungsworte. Die beiden Gesangsvereine des Ortes „Männerchor und Eintracht“ leiteten die Weihe durch Gesangsvorträge ein, jener sang „Im Wald“, dieser „Jägerglück“. Die Weihrede hielt Pastor Pforte. Er feierte das zielsichere Zusammenarbeiten bei der Errichtung der Anlage, das würdig sei, neben der gleichfalls durch gemeinsames Zusammengehen erfolgten Denkmalssetzung für die Gefallenen genannt zu werden. Es sei erfreulich, wenn in einem Ort so etwas möglich sei und das freundliche Gesicht des Himmels sei gewiss ein gutes Vorzeichen für die Zukunft des Vereins, in dem immer eifriges Zusammenwirken und Eintracht herrschen möchte. Das Hoch des Redners galt dem jungen Verein.


Oberpostsekretär Friedrich, Hettstedt sprach als Schützenhistoriker und gab einen kurzen Abriss über das deutsche Schützenwesen, das sich durch die Jahrhunderte wie eine Kette zieht. Er begrüßte den Schützenverein Burgörner-Altdorf als eines der letzten Glieder dieser Kette und in der großen Gemeinschaft der deutschen Schützen und rief ein herzlich „Glück auf“ auf den Weg. Der Bundesmajor des Mansfelder Schützenbundes, Lehrer Otto Beßler-Eisleben, überbrachte Grüße und Wünsche des Bundes. Pflege des Schießsportes zur Erziehung zur Besonnenheit und Ruhe und echten Gemeinschaftssinn sei das Ziel der Schützengilden. Anschließend war Preisschießen und Konzert. Gegen Abend wurde der am Vormittag ausgeschossene Schützenkönig Maler Paul Teichmann (von dessen Hand übrigens das Schießhaus so schön gemalt wurde) nach Hause begleitet. Die Schützenfrauen überreichten die von ihnen gestiftete Königskette.


Die kleinen Jungen hatten auch ihren König ausgeschossen. Willi Ballhaus. Sie marschierten mit Armbrust und malerischen Hüten wacker im Zuge mit.

 Die Jungschützen vom Schützenverein „Humboldtschützen“ aus Burgörner-Altdorf

von links nach rechts:

Lüttig Otto, Lüttig Heinz, Schröter Karl, Abels Hans als Gast, Ballhaus Willi, Kurch Heinz, Müller Artur, Blankenhagen Kurt, Rex Fredi, Dietrich Erich, Gölzer Werner, Dietrich Walter, Dietrich Walter, Kirchberg Kurt

Am Pfingstmontag waren zahlreiche benachbarte Gilden zu Gaste (Hettstedt, Molmeck, Großörner, Augsdorf, Burgörner-Neudorf) um die neue Schützenstätte kennen zu lernen. Der Umzug ging durch das festlich geschmückte Dorf und auf dem Schießstand herrschte großer Andrang, zumal das unfreundlich gewordene Wetter den Aufenthalt im Freien nicht ratsam sein ließ. Dennoch können die Altdörfer – alles in allem – mit ihren ersten Fest wohlzufrieden sein. Der Wettergott hätte es  ja verderben können. Im Übrigen kann die Schießstätte im Humboldthain künftig ein besuchtes Ausflugsziel werden und auch die Schützen werden gerne hierher kommen zur Pflege ihres Sportes.

Der einstige Schützenplatz im Humboldthain

Davon war übrig geblieben etwa um 1950 – die letzten Fotos von der einstigen Schießanlage


Nach dem Ende des Krieges hatte sich hier ein Familie, welche Ihre Heimat verlassen musste, notdürftig eingerichtet. Danach ist das Gebäude dann zerstört und abgerissen worden.


Das einzige was geblieben ist, der Sockel vom weisen Hirsch – „der Zicke“. (siehe Foto)

Diese Zicke wurde am Abend, zum Schluss der Veranstaltung immer mit vereinten Kräften in das Gebäude (in den Stall) gebracht.


Als sich die FDJ in einem Gebäude der Mansfelder Straße (gegenüber der heutigen „ARAL Tankstelle) einrichtete, stand der stolze Hirsch dort noch einige Zeit vor der Fasade.

Aber eine Zicke will auch gepflegt sein und dazu gehört eben am Abend auch der Stall.

Auf dem einstigen Schützenplatz sind dann viele Jahre später, dank der Bemühungen vieler Einwohner von Burgörner in sogenannten „freiwilligen Arbeitseinsätzen“, wieder Einrichtungen geschaffen worden, die gemeinsame Feste, sogenannte Wohngebietsfeste, ermöglichten. Leider sind heute nur noch Ruinen vorhanden.

Bearbeitung unter Verwendung von Leihgaben aus verschiedener Herkunft.

Das Schießhaus

 

E.Graf / Chronist

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