Bergbau & Hütten, Kupferschieferbergbau

Kupferschieferbergbau

Vorwort

Bei einer Dachreparatur wurde im Traufenkasten ein starkbeschädigtes, verschmutztes Papier gefunden, welches sich als Seite einer alten Illustrierten, mit einem Bericht zum Mansfelder-Bergbau herausstellte. Bei der fotografischen Erfassung wurde leider die Fortsetzung auf der Rückseite übersehen.

Dank gebührt an dieser Stelle Frau Jutta Thormann, Leiterin der Stadtbibliothek „Gottfried August Bürger“ in Hettstedt. Ihrer Arbeit ist es zu verdanken, dass der fehlende Teil des Artikels, in der Staatsbibliothek zu Berlin (Signatur: 2“ Ad 618 / Haus Unter den Linden) aufgefunden werden konnte. Der Artikel ist in der Familien-Zeitschrift „Für Alle Welt“ Wien-Berlin-Leipzig Jahrgang 1895, Heft 1 auf den Seiten 16 – 18 enthalten.

Ein Grund für das unzureichende Erfassen des Fundes kann aber auch daran gelegen haben, dass die für den damaligen Druck verwendete Schrift heute nur noch eingeschränkt gelesen werden kann.

Die Beschreibung dieses Bergbaubetriebes dürfte auf alle damaligen am Ende des 19. Jahrhunderts vorhandenen Betriebe der „Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft“ zutreffen. Die nachstehenden Ausführungen sind deshalb im Inhalt unverändert den gefundenen Seiten entnommen.

Die geschilderte Atmosphäre, die damals auf diese Besucher einwirkte, hatte sich auch 1985 bei einem ähnlichen Besuch im Sangerhäuser Bergbau, wenn nun auch Schälschrapper und Bandförderanlagen die Arbeit des Bergmannes erleichterten, nach Ansicht des Bearbeiters nicht verändert.

Auch wenn einige fachliche Fehler in dem Artikel enthalten sein sollten, ist es doch so möglich, den Bergbau und die damit verbundene Arbeit vieler unserer Vorfahren, allgemeinverständlich heutigen Generationen darzustellen.

Hettstedt/Burgörner-Altdorf – Oktober 2011

Ein Mansfelder Chronist erzählt über die Entstehung der Stadt folgende wunderbare Mär: Ascenas, auch Aspanes genannt, ein Sohn Gomers, ein Enkel Jabhets, des Sohnes Noahs, sei nach Deutschland gekommen, habe schnell Aschersleben, früher Ascharien, auch Askanien genannt gegründet, und sein Sohn Manus, den auch Tacitus in seiner bekannten Abhandlung über die altgermanische Gründerperiode nennt, habe in der Nähe Ascherslebens eine andere Stadt „Mansfeld“ gebaut. Ob diese Sage berechtigt ist, das lasse ich dahin gestellt, auf alle Fälle aber war Herr Manus* ein seltener Mann, denn er baute nicht auf Sand, er baute viel sicherer auf – Silber.

Und die Geschichte des Mansfelder Silbers greift so weit zurück, das Sage und Tatsache beinahe überein stimmen.

Schon Karl der Große** gedachte der Mansfelder Bergwerke, allerdings nur offiziös, offiziell fällt der Bergbau d.h. die erste Maulwurfsarbeit nach dem köstlichen Kupfer und dem gleißenden Silber, in die Regierungszeit des großen Otto***, und da waren es um das Jahr 1200 herum Zwei Maulwürfe, die Bergleute Neuke und Napian, welche im Schachte bei Hettstedt das erste Kupfer gewannen.

Im 15. und 16. Jahrhundert gaben die Mansfelder Bergwerke einen jährlichen Ertrag von 18.000 Zentnern Kupfer und 18.000 Mark (h 26 3/8 Ztr. Silber) und für die Grafen von Mansfeld, denen bekanntlich das ganze Bergwerk erst als kaiserliches und dann als sächsisches Lehen gehörte, einen Gewinn von etwa 75.000 Mark. Den Grafen jedoch brachte der Reichtum wenig Glück, sie waren in ewiger Verlegenheit und bereits im Jahre 1570 belief sich die Höhe der Schulden der Herren von Mansfeld auf 2 721 916 Meißnerische Gulden a 2 Mk. 63 Pfg., für damals eine geradezu ungeheure Summe, gegen deren Höhe der Milliardenreichtum der Familie Rothschild kaum aufkommt. Durch den Leipziger Abschied vom 13. September 1570 wurde die Sequestration angeordnet.

Am 31. März 1780 erlosch bei dem Tode des Fürsten Josef Wenzel Mansfeld das berühmte Geschlecht im Mannesstamm, und die Allodialgüter und der Name gingen infolge der Vermählung der Tochter an das Haus Colloredo über, das noch heute in Blüte steht und dessen Erben gegenwärtig mit Preußen in einem Millionenrezeß liegen. Die Hälfte der Grafschaft fiel nunmehr als Magdeburgisches Lehngut an den König Friedrich II. von Preußen, die andere Hälfte an Sachsen; die ganze Grafschaft wurde 1815 mit Preußen vereinigt, das den Bergbau zur vollen Blüte brachte. 1820 sind 196.277 Zentner Kupfer und 51.386 Kilo Silber zu Tage gefördert worden. Im letzten Jahr wurden je über 88.000 Kilo Silber und Kupfer gewonnen. Ob diese Förderung noch tief in das 20. Jahrhundert hineingreifen wird, das hängt davon ab, ob es gelingen wird, die Wasser der Mansfelder Seen den Grubenbauen fern zu halten. Schon ist Schacht Otto III. ersoffen, die Gewerkschaft hat deshalb den Salzigen See angekauft und leitet den auf rund 60 Millionen Kubikmeter geschätzten Inhalt des Salzigen Sees ab. Es sei erwähnt, dass das Wasser auf Schacht Otto III vom 1. bis 7. November 1803 um rund 14 Meter gestiegen ist.  Eile tut also Not. Mit der Beseitigung des Salzigen Sees und erforderlichen Falls auch mit der des Süßen Sees, wenn dieser gefährlich werden sollte, was bis heute nicht feststeht, wird die der eingebrochene bzw. noch drohende Betriebserschwerung wegfallen. Der Bergbau wird wieder in den tieferen Sohlen „umgehen“ können, ohne dass eine Katastrophe durch Wiederdurchbruch des Seewassers zu befürchten steht, welche mit großen Verlusten an Menschenleben verbunden sein könnte. So die Ansicht der Mansfelder Gewerkschaft, während Dr. Willy Ule in Halle behauptet, dass die Trockenlegung des Salzigen Sees nur eine vorübergehende Wiederaufnahme des Betriebes in den ersoffenen Schächten ergeben wir; er will gefunden haben, dass auch dann noch 120 bis 130 Kubikmeter Wasser in der Minute zulaufen werde. Mir scheint diese Ansicht etwas pessimistisch zu sein; indessen – unter der Erdoberfläche ist kein Unheil unmöglich.

Eines unserer Bilder stellt den Schacht 81 Lichtloch im Hirschwinkelrevier dar, zudem noch der Theodorschacht und der Zirkelschacht gehören. Lichtloch 81 zählt zu den tiefsten Schächten der Erde und zu einem der reichsten Schächte des gesamten Bergreviers, und seine technische Ausstattung steht in jeder Weise auf der Höhe der gegen früher bedeutend vorgeschrittenen, die rationelle Ausnützung des Erdinnern ermöglichenden Technik. Links und rechts sieht man die beiden Schächte I und III, von denen weiter unten die Rede sein wird. Herr Geheimrat Leuschner hatte mir bei einem Abstecher nach Eisleben bereitwilligst die Erlaubnis zur Einfahrt erteilt und angeordnet, dass für einen geeigneten Begleiter und eingehende Auskunftserteilung Sorge getragen werde.

Das Hirschwinkelrevier steht unter Betriebsführung des in Bergmannskreisen wohlbekannten und angesehenen Obersteigers Mohr *, dessen gewichtiges Exterieur im scharfen Kontrast zu der Rührigkeit und Energie dieses alten Beamten steht, der außerdem noch die arbeitsreiche Ehrenbürde des Schulzenamtes von Klostermansfeld auf sich geladen hat. Man sieht es dem gemütlichen alten Herrn an, dass er kein Freund der „Steifleinen“ ist. Das Hirschwinkelrevier beschäftigt 3000 Mann, und zwar 37 Beamte, 16 Aufseher, 1000 Schieferhäuer, 49 Gesteinshäuer, 158 Lehrhäuer, 189 Kläuber,39 Maschinenwärter, 112 Handwerker, 329 Förderleute, 446 Schlepper und Jungen usw. in der Tat ein gewaltiger Betrieb. Die Schieferhäuer sind solche Bergleute, welche den Schiefer und die Dachberge, zwischen und in denen die Silber- und Kupferadern laufen, schlagen, die Gesteinshäuer schießen die Strecken und teufen die Schächte ab, die Lehrhäuer verrichten teils Förder- teils Häuerarbeit, die Kläuber sind ältere Leute, welche die geförderten Schiefer „über Tage“ wieder aussichten und das schlechte Zeug beseitigen. Die Schlepper und Jungen bringen die gewonnenen, von den Förderleuten geförderten Minern, d.i. Schiefer und Dachberge, am Schlag oder vorm Ort in die bekannten „Hunte“, die „Loren“ des Bergmannes, und leiten sie an den Schacht.

Die Beförderung der geladenen Minern, aus denen Kupfer und Silber im Hüttenbetrieb dann gewonnen wird, bis zum Schacht, von wo sie dann zu Tage gehoben werden, geschieht auch in der zuverlässigsten Weise durch die Maschine. Zu Beförderungszwecken befinden sich überdies noch Pferde im Schacht.


Nachbildung eines Räder-Hunt, Manfeld-Museum

Die Wohnungsverhältnisse der Bergleute sind in den Mansfelder Revieren äußerst günstig, die Miete beträgt durchschnittlich jährlich nur 40 Mark, außerdem hat die Gewerkschaft etwa 15 Minuten von jedem Schachte entfernt ein Schlafhaus gebaut, in dem 350 Mann bequem und unter gesundheitlich günstigen Bedingungen Schlafstelle finden. Die Häuser besitzen Wasch- und Badezimmer, Luftheizung und Trockenräume, in großen geräumigen Schlafsälen schlafen jeweils 8 bis 12 Mann. Außerdem sind eine Menge Familienhäuser, in denen die verheirateten Arbeiter wohnen, von der Gewerkschaft erbaut.

Auch die Lebensmittelpreise sind nicht hoch, gutes Fleisch kostet pro Pfund 60 Pfg., Butter 70 und Brot 9 Pfg., ein Liter gutes Bier 25 Pfennig. Die Gewerkschaft hat als Arbeitgeberin durch Gründung einer Pensions- und Versicherungskasse, die sie von Anbeginn an reich fundiert hat, sehr viel für ihre Arbeiter getan. Den Tantiemeanteil der Beamten- und Arbeiterschaft hat sie allerdings seit Jahr und Tag in Wegfall gebracht und zwar aus Gründen, die innig mit der unter bedeutend günstigeren Herstellungsbedingungen arbeitenden daher äußerst erschwerten Konkurrenz der amerikanischen Minen zusammenhängen. Es wird tatsächlich mit Verlust gearbeitet die pro Tonne 7 Mark beträgt, und schon vor einem Jahre wurde offiziös geklagt, dass viel schlimmer als die Wasserkalamität „die ruinösen Preise von Kupfer und Silber sind, welche durch die rücksichtslose Konkurrenz der nord amerikanischen Freistaaten herbeigeführt werden;“ – eine Tatsache, welche die Bevölkerung wirtschaftlich schwer in Mitleidenschaft zieht. Der Verdienst der Leute bei achtstündiger Arbeitsschicht beträgt von 2,50 bis 4 Mark und mehr, d. h. durchschnittlich 2,70 resp. 2,90 Mark. Die Jungen mit 14 Jahren verdienen 1 Mark Schichtlohn und Vergütungen im Schlafhause u.s.w.

Doch nun zur eigentlichen Fahrt. Nachdem wir uns im Steigerzimmer umgekleidet, Lederhose und Lederjacke angezogen, den dem Schifferhut ähnelnden Bergmannshut aufgesetzt und an diesen oberhalb der Stirn das Kräusel oder die Lampe gesteckt hatten, stiegen wir gegen 3 Uhr in den Schacht. Der Förderungskorb (Fahrstuhl) brachte uns binnen wenigen Sekunden in eine schauerliche Tiefe von 240 Meter. Bequemer, konnte Dante nicht in die Hölle geleidet worden sein. Wir schwebten hinunter wie auf Zephirs Schwingen, ein Glück auf! zum Gruß, der bald im Innern der Erde sein Echo finden sollte. In der ersten Sohle machte uns unser Führer, der Fahrsteiger Schmidt, auf die Steinformation aufmerksam, die aus Kupferschieferflötz, Dachklotz, Fäule, Zechsteinformation und Gips besteht. Die Luft in den etwa 11/2 Meter breiten und durchschnittlich 2 Meter hohen, mit ein- und zweigleisigen Schienensträngen belegten, sorgfältig ausgemauerten und gepflasterten Sohlengängen und Querschlägen war mit wenigen Ausnahmen ausgezeichnet, die Ventilation Funktionierte vortrefflich und in den Luftkammern rauschte und brauste und prustete die gebändigte Luft wie das brandende Meer.

Wir schritten bald an der Dynamitkammer vorüber, in der mehr Dynamit verschlossen ist, als nötig wäre um den ganzen Kunstbau im Erdinnern zu zersprengen, nach dem noch unter Arbeit stehenden Querschlag im Gips. Kurz zuvor war dort gesprengt worden, die Luft war entsetzlich. Der Pulverdampf mit dem Staub des Stinksteines, wie der Gips auch genannt wird, vermengt, nahm uns fast den Atem. Ich blickte mitleidig nach den sechs markigen Gestalten hin, die dort ihrem gefährlichen, der Sprengungen wegen alle Vorsicht erheischenden Beruf nachgingen. Ihr fröhliches Glück auf!, ihre freundlichen, frohen Mienen trösteten mich. Diese Männer hängen mit Herz und Seele an ihrem Beruf, so plaudern und lachen, so grüßen verbitterte und vergrämte Menschen nicht, wir schüttelten ihnen kameradschaftlich die Hand.

Das Streckenschießen, die sogenannte Strebschießarbeit, die teilweise durch den Streckbau mit Bohrmaschinen abgelöst wird, ist wohl die gefährlichste Arbeit im Silberbergbau*, wo Schwaden, schlagende Wetter und Stinkwetter, die nur den Steinkohlen- und Braunkohlenbergbau gefährden, allerdings wenig vorkommen können, wo nur Wasserkatastrophen und nieder gehendes Gebirge drohen und die meisten Unglücksfälle durch die eigene Unvorsichtigkeit der Leute verursacht werden. Nun es sind Männer die da ihres Amtes walten, zuverlässig und erprobt. Beim Sprengen ziehen sich die Leute in die horizontal liegende, ausgebaute und mit Schienenstrang versehene Strecke zurück. Wie fieberhaft und planmäßig gearbeitet wird, ergibt sich aus der Tatsache, dass der Gipsquerschlag bis circa 5 Meter vor der Wand bereits ausgebohrt und mit Schienen belegt war, wie teuer das Bauen in der Tiefe ist, geht daraus hervor, dass im Querschlag das Schießen von 1 Meter Strecke allein schon 45 Mark kostet.

Wir drangen nun tiefer in den Flöz ein, zahlreich, mit den kostbaren, von Kupferäderchen durchwebten Minern gefüllte, rollende „Förderhunde“ begegnen uns, an einem Bremsberg, der gerade angeschlagen wurde und der bei ½ Meter Höhe auf % bis 6 Meter durchgeschoben war, machten wir kurze Rast. So beschwerlich die Arbeit in einem nur ½ Meter hohen Gang auch Sein mag – liegen doch die Leute hier auf der linken Seite und hauen mühsam sich Bahn – so sehr wird gerade diese Arbeit ihrer materiellen Vorteile wegen vorgezogen. Der Maulwurf fühlt sich in den engsten Gängen seine Baues am wohlsten! Der Fachmann nennt diese Arbeit – „Arbeit vorm Ort“, keine andere wie sie charakterisiert so sehr den Bergbau und den Beruf der Bergleute, keine andere als sie verhilft der Kunst des Bergbaues so zu ihren großartigen Triumphen, denn hier zeigt sich der menschliche Maulwurf in seiner ganzen energischen Größe und Fähigkeit. Mit Bohrer und Schlägel bahnt er sich seinen Weg und, wenn das trutzige Gestein zu festgefügt sein sollte: das Dynamit räumt jedes Hindernis aus dem Wege.

Wir marschierten alsdann gebückt eine schräg abfallende ausgebaute, niedere Verbindungsstrecke die als Luftkammer diente und die respektable Länge von fast ½ Kilometer hatte, hinab zur zweiten Sohle. Wie oft wir mir dem Kopf an die Decke rannten, weiß ich nicht mehr, einer meiner Begleiter behauptete ächzend, dass dies mindestes zehnmal bei ihm der Fall gewesen sei. Wir bogen sofort in der zweiten Sohle rechts ab und eilten durch den 1 Kilometer langen Förderschacht hin zu einer Arbeitsstätte, die wir nur kriechend erreichen konnten und wo unser Photograph unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen eine Blitzlichtaufnahme machte. Auch dort war das Gestein äußerst silber- und Kupferhaltig, das Silber glitzerte in der schwarzen, harten Masse wie das Gestirn am Nachthimmel, und das Kupfer zweigte sich in lockenden Adern durch das Gestein: wir befanden uns in einer der Schatzkammern, welche die Natur in das Gebirge gelegt und deren Segen noch durch das kostbare, dort verschiedentlich vorkommende Kupfernickel vermehrt wird. Man bilde sich aber um Himmels Willen nicht ein, dass das Gestein an den Wänden von flimmernden Silbersternen bedeckt gewesen sei, wie das Gewand der Königin der Nacht. Um diese Sternchen in der neidischen brau-schwarzen Masse zu erblicken, muss man schon ein starkes Vergrößerungsglas zu Hülfe ziehen, sonst sieht die Sache sehr prosaisch aus. Gerade der Umstand, dass das Silber nur in diesen winzigen Erscheinungsformen in den Minern vorkommt, verteuerte die Entsilberungsarbeiten in den Hütten ungemein und stellt leider auch die Rentabilität des gesamten Betriebes gegenwärtig in Frage. Trotz der vorzüglichen Ventilation, die im ganzen Schacht meisterlich funktionierte, war die Luft hier heiß und schwer, wir waren bald in Schweiß gebadet.

Wir atmeten auf als wir wiederum aufrecht gehen konnten, nun ging es einen Langen Weg zum Bremsberge hinaus. Der Bremsberg dient dazu, auf einem Schienenstrang gefüllte Förderhunde an festen Drahtseilen durch einen Querschlag, der gewöhnlich abfällt, hindurch an eine niedergelegene Stelle und umgekehrt zu befördern und gleichzeitig leere Hunde von unten nach oben zu ziehen, d.h. die Beförderung der leeren Hunde, die durch Gewicht der vollen bewirkt wird, zu unterstützen. Wir eilen den Berg im Berge wieder hinunter und kommen nach langer, mühsamer Wanderung in eine Strecke, in welcher der Verkehr äußerst rege war. Nach dem Förderschacht eilende Bergarbeiter, Pferde die eine größere Anzahl aneinander gekoppelter Förderhunde zogen, begegnete uns, der Boden war sumpfig; Wassertropfen klitschten in die Pfützen, plötzlich ertönte rollender Donner, ein Zug fuhr in einer Strecke über uns, ein anderer donnerte in einem Seitengange. Bald befanden wir uns in einem Pferdestall – 300 Meter unter der Erde. Wer kennt nicht Zolas meisterhafte, stimmungsvolle, kraftgeniale Schilderung des armen Grubengauls, der nie mehr das Licht der Sonne geschaut. Es befinden sich im Ganzen 31 Pferde im Schachte. Darunter sind einige die bereits seit 9 Jahren dort stehen, aber alle sind waren wohlgenährt, munter und stattlich. Die Tiere werden gut gepflegt und jede Woche stattet ihnen der Tierarzt einen Besuch ab, wofür er jedes Mal 20 Mark liquidiren darf. Während wir die Pferde prüften, näherte sich uns eine kleine graue Katze, die sich schmeichelnd das Fell an meinen Stiefel rieb. „Miez“ lebt bereits einige Jahre in freiwilliger Verbannung unter der Erde und jagt – Mäuse.

Wir waren bereits volle 5 Stunden im Schachte und durch die beschwerliche Wanderung in den Strecken aufs Äußerste abgespannt. Die freundliche Einladung unseres liebenswürdigen Führers noch 60 Meter tiefer zu steigen, lehnten wir schon deshalb ab, weil in jeder Sohle dieselben Szenen sich nur wiederholen. Während die Wege selbst immer beschwerlicher und schmutziger werden, beschlossen wir auf dem nächste Wege das Maschinenhaus zu suchen, dieser „nächste“ Weg nahm eine volle halbe Stunde in Anspruch, zudem war er nicht ganz ungefährlich. Mussten wir doch an der Kettenbahn vorbei, auf der „Hunde“ einzeln durch die Maschine und zwar dergestalt befördert werden, dass die kleinen, offenen Wagen auf den Schienenstrang gerollt werden, wo sie sich in die Kette einhaken und dann mitgeführt werden. Der Weg für die Fußgänger ist nur durch dünnen Draht von dem Schienestrang abgetrennt. Das Passieren aber erheischt insofern Vorsicht, als die Wagen fast unhörbar heranrollen und ein einziger Fehltritt auf dem nassen Brett, das als Fußsteig dient, die verhängnißvollsten Folgen haben kann.

Wir hatten unsere Schicht ehrlich eingehalten, es war 10 Uhr des nachts, als wir aus Schacht III. stiegen. Im innern des Berges haben wir eine Wegstrecke von ein paar guten deutschen Meilen zurückgelegt und waren nicht einmal in der dritten Sohle gewesen. Gearbeitet wird Tag und Nacht, der ganze Tag wird in drei Schichten eingeteilt, die erste beginnt um 6 Uhr Morgens und endet um 2 Uhr. Die zweite dauert von 2 Uhr bis 10 Uhr und die dritte von 10 Uhr Nachts bis Morgens 6 Uhr. Die im Berge gehauenen Minern werden „über Tage“ nochmals gesichtet, das so gesonderte, silber- und kupferhaltige Rohmaterial wird dann den verschiedenen Hüttenwerken überliefert, woselbst in einem sehr komplizierten, äußerst interessanten Verfahren, das Tausende von Händen erfordert, das Edelmetall von seinen Schlacken gereinigt wird.

Anmerkungen: (Bearbeiter)

Im Titel „ Silberschacht!“

Ein Bergwerk welches ausschließlich der Silbererzgewinnung diente, wie z. b. in Goslar, hat es im Mansfelder-Bergbau nicht gegeben. Das Silber wurde mit dem Kupfererz abgebaut und nur bei der Verhüttung desselben gewonnen.

* Manus (Mannus)

„Cornelius Tacitus – Germanische Urgeschichte und Landeskunde“

Bei Tacitus heißt es dazu: „Sie (die Germanen) feiern in alten Liedern – das ist bei ihnen die einzige Art geschichtlicher Überlieferung – Tuisto, den erdentsprossenen Gott. Ihm schreiben sie einen Sohn Mannus als ursprünglichen Begründer ihres Volkes zu“.

(s.a. Cyr.Spangenberg)

„Mansfeldische Chronika. Der vierte Teil, Titel IV.; Kap.V. Fol.56 „Manus ein alter Abgott“

> So ist unter den Alten stets die Rede gangen, daß man in dieser Graveschaft den Mannum (unter der Gestalt des Mondes) sonderlich zwischen dem Schloß Mansfeld und dem Welfesholze an der Spitze des Berges, da itzum die Kirche über Burg Oernern stehet, geehrt und angebetet habe – daher es auch kann geschehen sein, – dass in alten geschriebenen Sächsischen Urkunden auch Monsfeld geschrieben wird. <

** Karl der Große (768 – 814

Hier liegt evtl. ein Irrtum vor? Die erste urkundliche Erwähnung der Mansfelder-Kupferbergwerke geschieht in einer Urkunde von 1364. (Mück. Urkundenbuch des Mansfelder Bergbaues)

„Kaiser Karl IV. (1347 – 1378) belehnt die Grafen zu Mansfeld mit dem Bann der Grafschaft und dem Kupferbergwerk………innerhalb einer örtlich umschriebenen Grenze (der später sog. Kaiserlichen Berggrenze)

Vermutungen einiger Chronisten, das schon um 1200 die Grafen eine Belehnung durch Kaiser Friedrich erhielten, ist Urkundlich bisher nicht nachweisbar.

*** „des großen Otto“ ?

die Ottonen: Otto I. 936 – 973

Otto II. 973 – 983

Otto III. 983 – 1002

Es handelt sich vermutlich um Otto IV. 1198 – 1218, während der politischen Auseinandersetzungen mit: Philipp von Schwaben 1198 – 1208.

Wir bitten unsere Leser, uns möglicherweise erhalten gebliebene Seiten dieser Zeitung leihweise zur Verfügung zu stellen um sie somit auch anderen interessierten Heimatfreunden zugänglich zu machen.

Die Abbildung – Hund/Hunt soll, den heutigen eine Vorstellung vermitteln, was ein 14 – 19 Jähriger als „Treckejunge“ geleistet hat, mit einem derartigen Wagen voller Gestein am Fuß. Dieser Förder-Hunt im Mansfeld-Museum ist nach original Maßen angefertigt. Die Bezeichnung und Schreibweise „Hunt“ ist vermutlich die Richtigere. „Hunter“ aus dem Englischen bezeichnet ein kräftiges „Jagdpferd“.- Nicht selten werden Heute auch eigenartige Gefährte scherzhaft als „Ferrarie“ bezeichnet, damals waren es eben die Pferde.

Abbildung  „Entzünden der Gase im Stinkstein“ wurde nachempfunden bzw. eine schwarz/weiß Kopie colloriert, da die eigentliche Abbildung auf den Fundseiten verloren gegangen ist.

Die aufgefundenen Seiten wurden für den Sammler lediglich durch Format und Schrift Änderung heutigen Erfordernissen angepasst und mit einigen Anmerkungen im Anhang versehen.

E. Graf /Chronist, Okt. 2011