Schützenverein Neudorf

Schützenverein Neudorf

Der Mansfelder Bergmanns-Schützenverein Burgörner-Neudorf

Aus „Der Wipperländische Heimatsfreund“ Juli 1925

Von der Hettstedter Bergmanns-Schützen-Kompagnie zweigten sich 1864/65 Mitglieder ab, die sich in Burgörner-Neudorf im „Bade“ (Schlackenbad-Friedrich-Wilhelmsbad) als „Mansfelder Bergmanns-Schützenverein Burgörner“ einen neuen Zusammenschluss bildeten.

Da 1864 Kriegsjahr war, wurde 1865 das erste Fest gefeiert. Aus diesem Jahre (1868) stammt die alte Fahne. Von der Inschrift ist nichts mehr zu erkennen, jedoch steht an einer Stelle (auf der unter die Seide gelegten Leinwand) mit Tinte und Feder geschrieben: Marie Hessert, Ernestine Simon, Hedwig Hessert, 13.6.1868. Diese Drei sind offenbar an der Herstellung der Fahne beteiligt gewesen.


Foto von einen Schützenfest im Friedrich-Wilhelms-Bad um 1890
Foto – unbekannte Herkunft

Im „Bade“ fand das Schützenfest mit einigen kurzen Unterbrechungen all die Jahre statt, lediglich als verschiedene Wirte aus dem Bade auf das Schützenhaus gingen, zogen sie den Verein mit sich. Dann gab es aber jedes Mal Schwierigkeiten wegen des Aufzugs: die Hettstedter Polizei ließ den Burgörnerschen Verein nicht durch Hettstedt aufziehen.

Einmal zog man auf, nachdem es durch das Summstor (Sumpftor) über die Breite „stumm“ gegangen war, mit klingenden Spiel durch das damals noch als Gemeinde selbständige Kupferberg. Und wenn der eigentlich in Burgörner beheimatete Verein heute wiederum in Hettstedt seinen Sitz hat, so ist das alles schon da gewesen. Allerdings waren die Gründe damals stichhaltiger.

Ein wertvolles Besitzstück des Vereins ist die Königskette (?) „Gewidmet von den Frauen und Jungfrauen des Mansfelder Bergmanns-Schützen-Vereins zum 25.-Jubiläum – 20.7.1890. Gleichzeitig stifteten damals die Könige seit der Gründung zwei Anhänger mit ihren Namen und in der Folge ist alljährlich ein weiterer Anhänger aus Silber hinzugekommen, so dass die Kette schon als Besitzstück wertvoll ist.  Ganz abgesehen von ihrem Wert als Schützenzeichen. Im gleichen Jahr wurde eine neue Schützenfahne beschafft, die auf der einen Seite ein schönes Schützenwappen trägt und die Inschrift auf der anderen, dass von einem Bergmann und einem Hüttenmann flankierte Mansfelder Wappen.

 Anmerkung des Bearbeiters:

Den schriftlichen Erläuterungen zu einer Ausstellung im Mansfeld-Museum, anlässlich des Stiftungsfestes 555 Jahre Bürgerschützen-Kompagnie-Hettstedt 1441, von Chronisten O. Spieler, ist zu entnehmen:

„Das jeweilige Königsschießen wurde immer von einem „Tassenschießen“ bekleidet, dessen Sieger nur die Schützenkönige unter sich ausschossen. Die Tassen waren mit schönen Schützen- und Bergmannsmotiven sowie Inschriften bemalt und waren wertvolle Sammlerstücke bei den Schützenbrüdern.

Am 24. Juni hat der Verein seinen 3. Festumzug begangen. Vor dem Zug gingen 21 Ehrenjungfrauen mit grünweißen Bändchen geschmückt. Vereinsvorsitzender war Bahnmeister Damm.

Schützenkönig wurde mit 31 Ringen Karl Fischer aus Hettstedt. Dazu sang die Hettstedter „Liedertafel“ das Lied „Die Fahnenweihe“.

Die Fahne weht, die Fahne winkt,
herbei ihr Schwestern, Brüder,
zum Preise ihr, zum Ruhme singt,
die allerschönsten Lieder“.

 
Bergmannschützen Burgörner Neudorf

– Gründungsjahr 1865

– Verein hatte bis 50 Mitglieder

– Schützenfest war immer der 2.  Sonntag im Juni

– Beim Umzug marschierten 3 Ehrenjungfrauen vor der Vereinsfahne

– Schützenbälle wurden im Friedrich \Vilhelmsbad durchgeführt

– Musik machte der Spielmannzug vom Turnverein Burgörner

– Es wurde mit Groß-und Kleinkalibcr auf einer 60 m Schießbahn geschossen

– Munition wurde vom Verein selbst hergestellt

– Im September wurde immer Gänseschiessen durchgeführt

– Büchsenmeister und Einschießer war August Kersting

– Schützenhauptmann war Franz Kowalski

– Kassierer war Hermann Hanschen

– Zum 65. Jubiläum 1930 wurde eine Sammeltasse ausgegeben

– Letztes Schützenfest 1939

– Gewehre und Degen wurden 1945 abgeliefert

Nachstehend noch ein weiteres Foto, welches ebenfalls dem Bergmanns-Schützenverein zugeordnet wird, was aber bisher unbestätigt blieb.

Wir wären sehr dankbar für weitere Fotos oder Hinweise zu diesem Thema, die evtl. als Überlieferung in den Familien noch erhalten geblieben sind.

Nachtrag:

Vor einiger Zeit gelangte eine Abbildung von einer Tasse in unsere Hände, welche eine alte Ansicht von Burgörner enthielt. (siehe Abbildung) Da es keine Angaben zu dieser Tasse, mit der wohl nicht dazugehörigen Untertasse gibt, sind alle Zuordnungsversuche nur unbestätigte Vermutungen.

Eine Vermutung wäre z.B., dass es zu der Bekannten “Kerssenbrock“ Tellersammlung ein Gegenstück in Form eines Tassenservices mit Mansfeld-Motiven gegeben hat. Zum anderen, auf Grund des gefundenen Artikels zum traditionellen Tassenschießens des „Mansfelder-Bergmanns-Schützenverein Burgörner-Neudorf“ könnte es sich auch bei unserer Tasse um einen „Schießpreis“ aus damaliger Zeit handeln.

Was bleibt ist die Ansicht einer Tasse mit einer Darstellung einer sehr alten Ansicht von Burgörner. Erfreuen wir uns daran. Vielleicht kann einer unserer Heimatfreunde dazu weitere Angaben machen. Ein weiterer Glücksfall wäre, wenn wir hier weitere Funde zeigen könnten.

Bearbeitung und Zusammenfassung vorstehender Fundstücke E. Graf / Chronist, April 2011

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