Aktuelles & Gedenktage, Völkerschlacht bei Leipzig

Völkerschlacht bei Leipzig

Anlässlich der Völkerschlacht bei Leipzig vor 200 Jahren, ist es angebracht auch den Einwohnern aus Burgörner zu gedenken, die an diesem Geschehen unmittelbar beteiligt waren. An die kriegerischen Ereignisse von 1806 bis 1816 erinnerten in der St. Nikolai Kirche zwei Kästchen mit erhalten gebliebenen Erinnerungsstücken, Orden und Ehrenzeichen von Kriegsteilnehmern an den sog. Befreiungskriegen.

 Orden und Ehrenzeichen der Kriegsteilnehmer. (Foto Paul Pfeffer)

Im Archiv der Kirchengemeinde von Burgörner wurden dazu von Pfarrer Lic. Hartmann (1929-1973) zwei Schriftstücke gefunden.

An das Kirchen, Amt in Burg -Ömer
Abgabe d. Denkmünze

Seine Königliche Hoheit der Prinz Regent haben die von Eurer Hochwohlgeborenen an Allerhöchst denselben eingereichten Ordens Insignien, mit welchen der verstorbene General der Kavallerie a.d. von Hede­mann dekoriert gewesen ist, an uns abgeben zu lassen geruht. In Folge dessen remittieren wir Ihnen die dabei uns zugegangene Kriegsdenkmünze des g. von Hedemann anliegend mit dem ergebensten Ersuchen dieselbe in Gemäßheit seiner Allerhöchsten Bestimmung an diejenige Kirche zur Aufbewahrung gelangen zu lassen, zu deren Parochie der Verstorbene zuletzt gehört hat.

Berlin, den 15 ten Februar 1860
Königliche General Ordens Kommission, Unterschrift

An das Kirchen Amt zu Burg – Oemer

Dem Kirchen Amte zu Burg – Ömer übersende ich beifolgend die von meinem Schwager, den verewigten General der Cavallerie von Hedemann, getragene Kriegs „ Denkmünze, um selbige in Gemäßheit der ebenfalls bestehenden allerhöchsten Bestimmungen in der dasigen Kirche gefälligst aufzubewahren.

Berlin, den 18. Mai 1860, verwittwete von Bülow, geb. von Humboldt

August Georg Friedrich Magnus von Hedemann, 29. Oktober 1785 in Plau in Mecklenburg – 17. Dezember 1859 in Berlin, Preußischer Militär

– 1808 als Begleiter des Prinzen Wilhelm von Preußen
(4. Sohn des vormaligen preußischen Königs Friedrich Wilhelm II.) in Paris (Lieutenant)

– ab 1813 Generalstabschef des Prinzen Wilhelm von Preußen (Major)

– heiratete am 24. April 1815 in Berlin (damals noch als Major der Kavallerie) Adelheid von Humboldt (1800–1856), die Tochter von Wilhelm von Humboldt

– seit 1817 Mitglied der Gesetzlosen Gesellschaft in Berlin

– ab 1821 Kommandeur des 2. Leib-Husaren-Regiments im schlesischen Herrnstadt (Oberst-Lieutenant)

– für ihn komponierte C. M. von Weber 1822 einen Marsch
(Marcia vivace)

– 1829 nach dem Tod von Caroline, der Frau Wilhelm von Humboldts, auf dessen Wunsch vom preußischen König nach Berlin versetzt, dort Kommandeur des Garde-Ulanen Regimentes

– Den. Garde-Ulanen gewidmet: http://www.youtube.com/watch?v=lILQYdmzlHg

 Kopie eines Bildes

Aus dem Nachlass des kürzlich verstorbenen Heimatfreundes Helmut Scharf aus Burgörner.

Bei dem zweiten Orden (links Ordensreihe Bild ) könnte es sich um die Medaille handeln, welche hier in Burgörner verwahrt wird. (siehe Kästchen )

Vorder- und Rückseite der Medaille

Der März des Jahres 1815 brach an. Wilhelm von Humboldt, nahm als Vertreter Preußens, an den Verhandlungen des „Wiener Kongresses“ teil. Da drang durch Europa die Kunde von Napoleons Flucht aus der Verbannung von der Insel Elba und versetzte alle Gemüter in die größte Aufregung.


Die sich nun überstürzenden Ereignisse brachten auch plötzlich eine gewaltige Veränderung in Familienleben der Frau von Humboldt und ihren Kindern hervor. Mit dem Prinzen Wilhelm kehrte auch dessen Adjutant, Herr von Hedemann, nach Berlin zurück um sich zum Feldzuge zu rüsten.

Hedemann und Humboldts zweit jüngste Tochter Adelheid hatten zueinander gefunden und eine spätere Heirat in Aussicht genommen. Auf Grund der nun unausweichlichen weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen, über deren Dauer und Ausgang verständlicherweise niemand eine Aussage machen konnte, wurden nun in aller Eile die notwendigsten Vorbereitungen getroffen und am 24. April die Trauung vollzogen, leider ohne die Gegenwart Humboldts, dem seine Frau über die Feierlichkeiten berichtete. (Ausschnitte)

Karoline von Humboldt, Berlin kurz vor Mitternacht, 24. April 1815

Adelheid ist getraut, mein Teurer Wilhelm, und vor einer halben Stunde habe ich sie dem geliebten Mann in die Arne geführt. Außer Hedemanns Familie und uns war, Prinzessin Wilhelm gekommen und gab durch tiefe Rührung zu erkennen, welchen Anteil sie an Augusts Glück, an Adelheids Liebe und der ganzen Handlung nahm. Prinz und Prinzeß Wilhelm hatten gewollt, das die Hochzeit auf dem Schloß sei. Beide waren gegenwärtig, alle königlichen Kinder ohne Ausnahme, Prinz Radziwill, Prinzeß Luise mit ihren Kindern, Auf dem Schloß war alles festlich. Um 11 Uhr nahm Prinzeß Luise der Braut den Kranz ab, der dann ausgetanzt wurde. Noch einmal wurde auf des jungen Paares Gesundheit getrunken, und unter Pauken und Trompeten führte Prinz Wilhelm…….. bis zur Treppe, und somit stiegen wir in unseren Wagen und fuhren nach Haus………….

Diese Zeilen bezeugen die Wertschätzung welche den Familien Humboldt und Hedemann am Preußischen Hof entgegengebracht wurden.

Nach dem Tode der Mutter Caroline von Humboldt im Jahre 1829 erhielt lt. Testament ihre älteste Tochter Karoline das Gut Burgörner. Sie verstarb im Jahre 1837, so dass der Besitz an die nächste Humboldt-Tochter Adelheid, vermählt mit August von Hedemann, überging. Das Ehepaar Hedemann hat bis zum Tode von Frau Adelheid im Jahre 1856 in Burgörner sehr Bevölkerungsnah- und –verbunden gewirkt. Dazu später ein Bericht unter „Burgörner-Chronik“.

Zum Abschluss unserer Erinnerungen an Personen die mit Burgörner verwachsen und von den damaligen Ereignissen betroffen waren, eine vielleicht weniger bekannte Begebenheit.

Nach der Niederlage Napoleons bei Leipzig hörte ein von Napoleon geschaffener Staat, das Königreich Westfalen auf zu existieren, zu dem auch das Mansfelder Land gehörte. Als bevollmächtigter Preußens beim Wiener Kongress 1815 setzte sich Wilhelm von Humboldt dafür ein, dass die Zugehörigkeit der Grafschaft Mansfeld zu Preußen in dem Friedensvertrag entgültig festgelegt wurde.

Anlässlich dieses Ereignisses „100 Jahre, später im Jahr 1915, wurde auf betreiben des Ober-, Berg- u. Hütten- Direktors, Bergrat Dr. Karl Vogelsang und Georg Kutzke, der die Zeichnungen für den Entwurf anfertigte, eine silberne Gedenkmünze Münze im Werte von drei Mark herausgegeben. Den heute noch geschätzten und bei Sammlern sehr beliebten

„ Mansfelder Segenstaler„Rueckseite SegenstalerAnmerkung!

Die beiden Gedenkkästen sind in der Kirche von Burgörner nicht mehr angebracht. Durch versuchten Diebstahl stark beschädigt, werden sie heute nur noch auf Wunsch gezeigt.

Neben selten gezeigten Leihgaben aus verschiedenen Museen, der letzten erhaltenen Relikte des Mansfelder Pionierbataillons, nahmen auch die Medaillen und Ehrenzeichen aus Burgörner in der Ausstellung des Halloren- und Salinemuseum in Halle einen würdigen Platz ein.

Aus dem Faltblatt zur Ausstellung 200 Jahre Befreiungskriege 28.04. – 22.09.2013-12-10

Weitere einst in der Kirche aufbewahrte Erinnerungsstücke wie: Orden, Medaillen und Ehrenzeichen an Kriegsopfer sind vom Pfarrer Lic Hartmann an die Familien zurückgegeben worden.

Zur Zusammenstellung des Beitrages wurde verwendet:

> Fundstücke aus dem Kirchenarchiv Burgörner

> Gabriele von Bülow – Ein Lebensbild

> Mansfeld-Echo, Nr.3/2013, Dr.Stefan König

> Sowie aus über Jahre zusammengetragenen Notizen, nicht mehr nachvollziehbarer Quellen.

Das von Carl Maria von Weber – für das Königliche Preußische Leibregiment Schwarze Husaren, Obristlieutnant von Hedemann, komponierte > Marcia vivace für 10 Trompeten Opus J288 findet man unter http://www.youtube.com/watch?v=ilBXwb9KoLQ

E. Graf / Chronist, Dezember 2013

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